Über Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Marokko nach Mauretanien

Endlich sind wir gestartet, am 30.10.2018, 10 Uhr, ging es los. Von Hattersheim geht es zunächst zur Metzgerei  Sutter nach Ingelheim. Wir sind begeistert von dem umfangreichen Angebot und decken uns über Kartoffelsuppe, Grillwurst, Steaks und Braten so gut wie möglich ein. Das Vakuumieren wollen wir erst am heutigen Stellplatz gegen Abend übernehmen. Also alles in die Kühltasche (ein kühles Plätzchen außerhalb des Kühlschrankes findet sich im WoMo problemlos) und weiter fahren, denn zuerst sollen Kilometer gemacht werden.

 

Das Wetter ist – wie angekündigt – regnerisch und windig und als wir auf der Hunsrückhöhenstraße entlangfahren, geraten wir auch in den einen oder anderen Schnee“sturm“. Teilweise ist der Boden leicht mit Schnee bedeckt, manchmal auch nur die Äste der Tannen, an denen es vorbei geht. In Luxemburg in Wasserbillig angekommen, wechselt der Schnee wieder in Regen. Auch der Wind bleibt. Bei Wolter in Wasserbillig wird kräftig Diesel aufgetankt; heute steht der Liter bei 1,167 €. Gerhard deckt sich noch mit Zigaretten und Kaffee ein. Für die große Tankrechnung erhalten wir ein Päckchen Kaffee gratis und zusätzlich ist ein Kakao für mich und ein Kaffee für Gerhard „im Preis mit drin“.

 

Auf dem Weg nach Verdun geraten wir auf der Autobahn in einen größeren Stau, der aber nur der Rush hour geschuldet ist. Da das ewige Anfahren und Abbremsen nervt, nehmen wir die nächste Abfahrt. Über Bettembourg fahren wir nach Hunchefrance, wo unsere erste Übernachtung sein soll. Wir halten auf einem netten Parkplatz seitlich an der Dorfgrenze. Gerhard dreht mit Ashley eine Runde, ich kümmere mich ums Essen. Danach geht es ans Vakuumieren. Das klappt besser, als ich mir das vorgestellt hatte. Innerhalb von zwanzig Minuten sind wir fertig und haben 26 Portionen verstaut. Der Fernseher findet mehrere Sender, und wir stellen fest, dass luxemburgerisch eine Mischung zwischen deutsch, holländisch und Schwyzer Dütsch sein muss. Aber die Bilder des Wetterberichtes sprechen eine deutliche Sprache und für heute Nacht ist Frost angesagt (-1° C). Der Wind bläst kräftig und rüttelt an

unserem WoMo. Aber es ist standfest und gegen 22 Uhr geht innen das Licht aus.

 

Der nächste Morgen zeigt, dass die Wetterfrösche am Vorabend recht hatten. Der Boden ist leicht gefroren, überall ist Rauhreif. Auf dem Morgenspaziergang mit Ashley kommen wir an sehr schreckhaften Kühen, einigen Schafen und einer Herde Ponys/Kleinpferden vorbei. Ashley ist  ganz begeistert von den fortlaufend sich verändernden neuen Gerüchen. Für sie ist alles super spannend! Gerhard hat das Frühstück fertig, als ich mit Ashley zurück bin und so sind wir bald fertig und können gegen 10 Uhr losfahren.

 

Erstes Zwischenziel heute ist Verdun. Rund um die Stadt befinden sich überall Hinweisschilder zu Schlachtfeldern, die besucht werden können. Auch Friedhöfe gibt es zuhauf, alle nach Nationen geordnet. Es ist schon grausam, was ein Krieg so alles anrichten kann! Da meine Kamera nach neuen Batterien lechzt und ich keine mitgenommen habe, können wir leider keine Fotos rund um Verdun liefern. Gerhard erinnert sich, dass es an der Kasse bei Lidl immer Batterien gibt (zumindest in Deutschland). Also wird der nächste Lidl angesteuert. Das gestaltet sich allerdings als schwierig. Wir finden zwar mehrfach Lidl-Hinweisschilder, aber die sind eher allgemein gehalten (in < als 1 Min. sind Sie da! [aAs Fußgänger? Als Radfahrer? Mit dem Auto???), und daher nicht wirklich aussagekräftig. Wir fahren und fahren, mittlerweile sind schon mehr als zehn Minuten vergangen und kein Lidl weit und breit.

 

Da sind die Hinweisschilder der „Marché“-Gruppe sehr viel aussagefähiger. Oben der Hinweis, um

welchen Markt es sich handelt (Super-, Inter-, Hyper-) und darunter ein Pfeil, ob rechts, links oder geradeaus mit einer genauen Entfernungsangabe, z. B. 250 m. Diese Angaben sind, aus unserer

Erfahrung heraus, immer verlässlich.

 

Halt! Dort rechts ist ein Lidl! Ganz ohne Hinweisschild, aber dafür sehr real. Unter anderem wollen wir Brot kaufen, also nichts wie raus. Das Brot ist gleich gefunden, in Frankreich hat Lidl auch Backstationen. Allerdings kein Brotschneidegerät, aber wir haben ja ein Brotmesser an Bord. Und wie sieht es mit den Batterien aus? An der Kasse findet Gerhard sofort AAA-Batterien. Dumm nur, dass für meinen Foto AA-Batterien benötigt werden, die gerade bei diesem Lidl aus sind. Zurück im WoMo findet Gerhard noch AA-Akkus. Also sollten künftige Fotos kein Problem mehr sein.

 

Zu unserem Glück fehlt uns jetzt nur noch eine Versorgungsstelle für WoMos – das Wasser wird langsam knapp. Kurz hinter Clérmont finden wir ein Hinweisschild und nach einigem Rauf und Runter im Wald auch die Versorgungsstation. Nebenan befindet sich auch ein Stellplatz, aber es ist für uns noch zu früh zum Stehenbleiben. Wir fahren zu  unserem Ausgangspunkt zurück und nehmen die Route Richtung Sézanne wieder auf. Der Weg führt uns durch dörflich-ländliches Gebiet, überall Schilder, dass wir beim Bauern Kartoffeln oder Eier kaufen können.

 

Leider regnet es heute den ganzen Tag hindurch und auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht geraten wir auf einen Ausläufer der „Route touristique de Champagne“ - allerdings ohne alkoholische Folgen, da wir beide nicht auf Champagner stehen. Etwa 8 km von Sézanne entfernt, mit Blick auf die Weinberge, findet Gerhard unseren heutigen Übernachtungsplatz.

 

Die Nacht im Feld war sehr erholsam und ohne Störung. Während die Zuckerrübenernte in vollem Gang ist, sitzen wir gemütlich am Frühstückstisch. Heute ist Feiertag, aber die Bauern scheint das nicht zu stören. Sie wollen ihre Arbeit verrichten, so lange das Wetter mitspielt. Und das ist heute super, zumindest der Horizont in unserer Fahrtrichtung ist blau, auch wenn direkt über uns noch graue

Wolken hängen.

 

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Der allgegenwärtige Lehmboden scheint den Trauben zu bekommen, denn überall befinden sich Weinberge. Zwischendurch kommen wir noch einmal in Starkregen, aber bei der Ankunft an unserem heutigen Zielpunkt, dem Schloss Chambord, zeigt sich das Wetter „wolkig, mit Aufheiterungen“, wie es der Kommentator im Fernseh-Wetterbericht nennen würde. Der Tarif des WoMo-Stellplatzes beim Schloss weist einen Tarif von 4 € für die Nacht aus. Obwohl wir lieber frei stehen, wollen wir bei diesem Preis nach dem Schlossbesuch nicht mehr weiter fahren, das ist einfach zu günstig!

 

Wir laufen in Richtung Informationsgebäude, in dem auch die Kassen untergebracht sind. Dort trifft uns fast der Schlag! Die Leute stehen in Schlangen, um eine Eintrittskarte zu bekommen. Auf meine Nachfrage am Informationsschalter erhalte ich außerdem die Auskunft, dass Hunde nur in den Gärten erlaubt sind. In die Gebäude darf Ashley nicht mit, auch wenn sie nicht mehr bewohnt sind. Der Eintrittspreis liegt bei 28 € pro Person (Schloss + Gärten). Aufgrund der langen Warteschlangen und der Größe des Schlosses entschließen wir uns, nicht an einer Führung teilzunehmen. Wir gehen mit Ashley in den frei zugänglichen Teilen des Schlossgartens spazieren. Eine Polizistin trainiert gerade ihr Pferd an der Longe und zwar direkt auf dem Rasen vor dem Haupteingang. Wir bewundern ihr tolles Pferd und kommen in ein kurzes Gespräch. Danach besichtigen wir noch die Schlosskirche (nacheinander, da auch hier Hundeverbot ist!), die hübsche Buntglasfenster hat. Das Abendessen nehmen wir mit Blick auf das Schloss ein.

 

Der nächste Morgen beginnt mit einem kleinen Schock. Beim Hundespaziergang will Gerhard das Stellplatzticket bezahlen und bekommt von dem Automat eine Rechnung über 11 € präsentiert. Die

an der Parksäule dargestellten 4 € beziehen sich nur auf die ersten Stunden (wer lesen kann, ist klar im Vorteil und vor allen Dingen sollte man nicht mittendrin aufhören, sondern bis zum Ende lesen!). Mit dem bezahlten Ticket fahren wir zum Ausgang. Leider öffnet sich die Schranke bei Gerhards Bemühungen nicht. Also steige ich aus dem Steyr, begebe mich zur Parksäule, Gerhard fährt den Steyr bis unmittelbar vor die Schranke und siehe da – schon funktioniert‘s. Für eine Person ist die Ausfahrt bei diesem Schloss allerdings nicht machbar, es müssen mindestens zwei sein …

 

Auf der Straße begegnet uns kurz darauf eine Gruppe mit Oldtimer-Fahrzeugen, die den Feiertag nutzen, um eine Ausfahrt zu machen. Den Abschluss bildet ein VW-Bus, der so schwer beladen ist,

dass die Hinterachse fasst aufsitzt. Die Truppe hat wahrscheinlich mehrere Kästen Bier gebunkert, um den Ausflug richtig genießen zu können.

 

Das nächste, von mir im Internet ausgesuchte, Schloss mit dem Namen Cheverny, ist nicht in unserem Navi enthalten, aber es befinden sich viele Hinweisschilder zu diesem Schloss rund um Chambord. Also

versuchen wir, Cheverny anhand der Ausschilderung zu finden. Als wir nach längerer Fahrtzeit kein Schild mehr entdecken, geben wir die Suche auf. Wir nehmen eins, das nicht auf meiner Liste steht, aber

dafür in der Nähe ist. Später stellen wir fest, dass die Hinweisschilder nur aufgestellt werden, wenn ein Richtungswechsel erforderlich ist. So lange es geradeaus geht, wird kein weiteres Schild aufgestellt – egal um wie viele Kilometer es sich handelt.

 

Das neu gefundene Schloss heißt Villesavin und hat ein wunderschönes, schmiedeeisernes Eingangstor, das in einen großen Garten führt. Der Steyr passt gerade so durch (ca. 10 cm auf jeder Seite) und wir

fahren die Promenade entlang Richtung Schloss. Nach ca. 200 m kommen wir an eine Schranke, die von einer jungen Frau bedient wird. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass in zehn Minuten eine Führung

beginnt, an der wir noch teilnehmen können. Ashley darf auch hier nur in den Garten. Ins Schloss darf sie nur, wenn wir sie auf den Arm nehmen. Da sie aus unserer Sicht dafür etwas zu schwer ist,

beschließen wir, Ashley erst nach der Schlossführung zu holen, damit sie an der Gartenführung teilnehmen kann. Die Führung ist ausschließlich auf französisch und die Dame spricht sehr schnell.

Meine Französisch-Kenntnisse sind damit total überfordert, aber uns wurden einige Seiten einer deutschen Übersetzung der Führung ausgehändigt, so dass wir einigermaßen folgen können. Unsere

Gruppe besteht aus nur zehn Personen, wobei die anderen acht Franzosen sind und demzufolge keine Probleme haben, die Erläuterungen unserer Führerin zu verstehen. Unter anderem erzählt sie, dass

Villesavin jährlich eine Besucheranzahl von nur zwanzigtausend aufweist, während Chambord von rund einer Million besucht wird.

 

Beeindruckend ist, dass das Schloss bereits eine Heizung besitzt, die teilweise unter dem Fußboden entlang geführt wird, um auch den Boden zu heizen. Ebenfalls sind Türen, die sich von selbst schließen, schon vorhanden. Der große Grill in der Garküche konnte auf eine Garzeit von bis zu sechs Stunden eingestellt werden und lief mechanisch ab. Die Treppenaufgänge sind alle sehr breit, also durchaus Lifta-geeignet. Die Wände in den Wohn- und Schlafzimmern sind mit Stoff bezogen und machen einen sehr wohnlichen Eindruck. Trotzdem ist es in dem Gemäuer, das heutzutage nicht mehr bewohnt und daher auch nicht beheizt ist, höllisch kalt. Wir sind froh, als die „Innenführung“ nach einer guten Dreiviertelstunde beendet ist und wir wieder ins Freie gehen können, wo die Sonne scheint.

 

Als wir Ashley aus dem Auto holen wollen, stellen wir fest, dass unser Parkplatznachbar mit seinem Auto so nah an unser WoMo herangefahren ist, dass wir die Treppe nicht mehr ausziehen können und Ashley nicht aussteigen kann. Der Mann ist in den weitläufigen Gärten unterwegs, und wir haben keine Chance, ihn vor dem Beginn unserer „Außenführung“ zu finden. Um Ashley einen Gefallen zu tun,

verzichten wir auf die Gartenführung und starten zum nächsten Schloss. Dabei treffen wir wieder auf ein Hinweisschild von Schloss Cheverny, das wir zuvor nicht gefunden hatten. Dieses Mal gibt es keine Probleme, aber die Parkplätze dort sind so voll, dass wir nach einem kurzen Foto aus dem LKW das nächste Schloss ansteuern. De Blos und Amboise/Clos-Lucé sind ebenfalls nicht im Navi, weshalb wir von einem Besuch absehen.

 

Das nächste Schloss auf der Liste ist Chenonceau. Auch hier ist der Ansturm erdrückend. Als wir feststellen, dass dieses Schloss keine Möglichkeit bietet, wenigstens die umliegenden Gärten zu erkunden, ohne ein Ticket von 18 € kaufen zu müssen, fahren wir weiter. Der Preis von 36 € ist uns zu hoch, da wir lediglich ein paar Außenaufnahmen des Schlosses und Teile der Gärten fotografiert

hätten, auch wenn der Parkplatz hier umsonst war. Weiter geht die Fahrt in Richtung Tours. Das nächste Schloss ist Villandry. In unmittelbarer Umgebung des Schlosses gibt es jedoch keine

Parkplätze für Wohnmobile. Als wir dem Parkplatz-Schild für Wohnmobile folgen, kommen wir zu einem schön gelegenen Stellplatz.

 

Bei der Einfahrt kommt es zu Problemen. Die Kreditkarte des Engländers, der vor uns „einchecken“ will, wird von der Parksäule nicht akzeptiert. Ich helfe mit meiner Kreditkarte aus, und er gibt mir das Geld für den Stellplatz in bar. Als wir einchecken wollen, funktioniert die gerade erstandene „Campingkarte“ nicht. Zwei Mitarbeiter der Stadt, die gerade den Müll abholen wollen, unterstützen uns und telefonieren mit der Betreiberfirma des Stellplatzes. Mit vereinten deutsch-französisch-englischen Kräften gelingt es, die Schranken zum Öffnen zu bewegen. Hoffentlich lassen uns die Schranken Morgen auch wieder raus ... 

Nach einer sehr ruhigen Nacht, einem Wasser-Update und Abwasser-Ablass näherten wir uns vorsichtig der Ausfahrt. Vorsichtshalber ging ich zu Fuß, um bei Problemen gleich in unmittelbarer Nähe der Parksäule zu sein und ggf. Hinweise zu lesen. Und ein Wunder - die Karte funktionierte beim ersten Versuch! Kein Vergleich mit den gestrigen Bemühungen, in die Anlage zu kommen. Herauszukommen ist um Vieles einfacher!

 

Als nächstes steht die Burg in Chinon auf dem Programm. Ich wollte sie mir nicht entgehen lassen, denn ich hatte schon viel von ihr gehört. Chinon ist die französische Partnerstadt meiner Heimatstadt

Hofheim/Ts. . Die Anfahrt gestaltet sich etwas schwierig, die Hinweisschilder an der Stadtgrenze weisen darauf hin, dass Fahrzeuge über 5,5 t in Teilen des Stadtgebietes nicht zulässig sind. Gerhard legt die Vorschriften großzügig aus und meint, das gelte nur für LKWs. Busse mit Touristen müssten auch zur Burg fahren und die seien ebenfalls schwerer als 5,5 t. Mit nervig piepsendem Navi, dass uns permanent darauf aufmerksam macht, dass wir „verbotenes Gebiet“ befahren, erreichen wir die Parkplätze an der Burg. Gerhard hat vollkommen recht: Hier sind Bus-Parkplätze, auch wenn heute noch kein Bus da ist.

 

Wir steigen aus und marschieren zu dritt wohlgemut in Richtung Burg. Komischerweise sind die Bus- und Wohnmobilparkplätze immer am weitesten von der Sehenswürdigkeit entfernt. Ein Umstand, der mir früher nie aufgefallen ist, als ich noch mit dem „normalen“ Auto unterwegs war. Der Empfang an der Kasse ist außerordentlich freundlich. Die Dame entschuldigt sich dafür, dass sie kein Deutsch spricht und zwar in perfektem Englisch. Kein Problem, wir sind froh, dass sie Englisch redet, denn mein Französisch ist – wie ich gestern bei der Führung in Schloss Villesavin feststellen konnte – mittlerweile sehr lückenhaft.

 

Die Burg liegt wunderschön am Hang mit einem guten Überblick über die Stadt. Im Garten gibt es überall kostenlose „Drei-Beiner“, von denen in der Führung vor uns reger Gebrauch gemacht wurde. Als wir ankommen gibt es gerade keine Führung, was aber nicht weiter schlimm ist, denn im  Besich-tigungsheft ist ein Chip angebracht, der auf Wunsch bei den einzelnen Sehenswürdigkeiten ein Audio-Band auslöst. So ist es also möglich, die Burg auch im Alleingang zu erkunden. Die einzelnen Gemäuer (Türme und königliche Gemächer) sind liebevoll restauriert. Ashley hat sich besonders für den

„Hundeturm“ interessiert, in dem früher ihre Artgenossen untergebracht waren. Überall im Garten-bereich ist das Picknicken erlaubt.

 

Bekannt wurde die Burg Chinon, weil hier das erste Treffen zwischen Jeanne d‘Arc und König Karl VII stattfand. Heute gleichen die Gebäude jedoch mehr einem Museum als einer Burg. In den einzelnen Räumen sind z.B. Waffen des 100-jährigen Krieges (Armbrüste waren eine sehr gängige Waffe zum damaligen Zeitpunkt) oder eine Kollektion von Jeanne d‘Arc-Darstellungen ausgestellt. Das Schlaf-zimmer des Königs ist nur spärlich möbliert. Auffällig ist das Bett, das so hoch ist, dass er mindestens einen Hexenschuss hatte, wenn er nachts unversehens aus dem Bett fiel. Allerdings hatte er schon ein „en suite-Schlafzimmer“: Bad und Latrine waren eng mit seinem Schlafzimmer verbunden. Alles in allem lohnt sich ein Besuch der Burg auf jeden Fall!

 

Beim Frühstück haben wir bereits entschieden, die restlichen Schlösser meiner Liste nicht mehr zu besuchen und die verbliebene Zeit lieber für den Besuch der Naturparks in Portugal zu nutzen, die noch auf unserem Programm stehen. Für Ashley ist das bestimmt eine gute Wahl. Nach den neuesten Er-fahrungen mit der Gewichtsbeschränkung für Fahrzeuge in der Innenstadt bestärkt das unseren Be-schluss zusätzlich. Zumal das Navi beim Rausfahren aus der Stadt erneut lautstark protestiert …

 

Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz eines idyllisch gelegenen Friedhofs bei „Les Maisons Rouges“, nahe der N10. Er ist ausgesprochen hübsch angelegt; alle Gräber sind liebevoll mit

bunten Blumenschalen geschmückt (Foto folgt). Bei der Weiterreise am nächsten Tag stellen wir fest, dass die Schlösser immer kleiner werden, je mehr wir uns von der Loire entfernen (auch hierzu gibt es bald ein Foto von dem Schloss bei „Les Pascauds“ an der D 709). Die Gegend rund um die Dordogne hat uns auf unserem bisherigem Trip am besten gefallen: saftige Wiesen, überschaubare Wäldchen, riesige Felder, schnurgerade aufgestellte Rebstöcke, kleine Bäche, schöne Picknickplätze. Und das Wetter ist auch traumhaft; blauer Himmel, kleine Schäfchenwolken und 15° C. Das Leben ist schön!

 

Wir schlafen in Layrac, südlich von Bergerac, auf einem WoMo-Stellplatz in der Nähe des Marktplatzes und einer Sportstätte. Es gibt zwei ortsansässige Bäcker, wobei einer der beiden wegen Ruhetag aus-fällt. Gerhard bringt vom Morgenspaziergang mit Ashley frisches Weißbrot mit. Es ist bereits in Scheiben geschnitten, was wir bei der Fahrt mit dem WoMo präferieren. Brötchen gab es leider keine. Nachdem

wir noch einmal Wasser getankt haben, geht die Fahrt über die D7 weiter Richtung Süden. Vier Rehe, die sich durch den Steyr beim Äsen erschreckt haben, springen hastig von den Feldern zum Waldrand, um

hinter den Bäumen zu verschwinden. Vorbei an Kirchtürmen (jeder Ort besitzt eine Kirche, egal wie viele Häuser es gibt, kleinen Schlössern und Bauernläden, die ihre Produkte direkt vermarkten. Vorwiegend werden aktuell Melonen, Knoblauch, foie gras und Honig angeboten. Das Städtchen Cologne an der

D 654 hat einen sehr schönen Marktplatz mit einem überdachten Innengang und eine hübsche,

romanische Kirche. Ein Aufenthalt hier lohnt sich!

 

Am frühen Nachmittag kommt extrem starker Wind auf. In Auterive machen wir einen Abstecher zum dortigen Carrefour, um uns ein gegrilltes Hähnchen zu holen. Leider sind wir zu spät (kurz nach 14 Uhr); die „warme Theke“ hat bereits geschlossen. Also gibt es einen Eintopf aus der Dose, der schnell auf dem Tisch steht. Im ebenfalls auf dem Areal befindlichen Baumarkt wollen wir uns noch mit Kleinigkeiten

eindecken (z. B. Duschabzieher, Gießkanne). Da es sich nur um einen kleinen Baumarkt handelt, ist das Sortiment nicht besonders umfangreich, so dass wir nicht alle Artikel unserer Liste bekommen. Aber dafür ist die Kassiererin besonders nett und versucht sogar, sich mit uns in Deutsch ein wenig zu un-terhalten. Unser Nachtplatz befindet sich heute in einem Industriegebiet an der D 820, in der Nähe von Mazères. Wir parken auf einer Wiese zwischen abgestellten LKW-Hängern. Nicht sonderlich idyllisch, dafür aber ruhig. Nachdem sich der Wind beruhigt hat, kommt es ab und zu einem kleinen Regen-schauer.

 

Um halb zehn am nächsten Morgen sind wir wieder auf der Piste. Heute ist der 7. Tag unserer Reise und es geht nach Andorra zum Tanken. Schon nach kurzer Zeit sehen wir die schneebedeckten Gipfel der

Kleinen Pyrenäen, die wir gestern aufgrund der Wolken nicht erkennen konnten. Wir sind in der Ariège und die Straße ist gesäumt von Kieswerken. Wir nähern uns dem Pass, der nach Andorra führt. Gerhard will nicht den Tunnel nutzen, sondern die Passstraße fahren. Relativ früh sind Teile der Straßenseiten schon mit Schnee bedeckt. Vor nicht allzu langer Zeit war hier bestimmt eine geschlossene Schnee-decke. Kurze Zeit später liegt ein Peugeot nahe des Abgrunds auf dem Dach; aufgehalten von ein paar zusammen stehenden Bäumen. Da das Auto bisher noch nicht geborgen wurde, ist der Unfall wahr-scheinlich noch nicht allzu lange her.

 

Die Temperaturen sind bei etwa 4° C und überall liegt Schnee. Wir treffen auf einen Radfahrer, der jedoch auf dieser Höhe (ca. 1.850 m) bereits abgestiegen ist und sein Rad schiebt. Er kämpft sich

mühsam aufwärts. Nachdem der Steyr bei Stefan war und die Leistung gesteigert wurde, meistert er (der Steyr) jetzt die Steigungen in einem angenehmen Tempo. In ??? de Casa angekommen, suchen wir gleich eine Tankstelle auf. Der Tankwart ist sehr hilfsbereit und geduldig, schließlich müssen zwei Tanks gefüllt werden.

 

Wir fahren weiter zum Col de Puymorens, einem Pass, der 2.408 m hoch ist. Oben angekommen kehren wir im „Refugio Fra Miguel“ ein und stärken uns mit einem Sandwich. Gerhard hat sich für die Variante

„French Omelette“, ich für die Variante „Tuna“ entschieden. Als der Kellner die Speisen zum Tisch bringt, wollen wir unseren Augen nicht trauen. Jeder erhält ein halbes Baguette (die rustikale Baguette-Form, die etwas breiter ist, pro Sandwich etwa 40 cm lang), dick belegt mit Rührei bzw. Thunfisch. Für alles zusammen bezahlen wir inklusive zweier Cola Zero von 0,35 l nur 16,00 €. Wir sind pappesatt und machen uns an die Abfahrt Richtung Soldeu. Die ganze Landschaft in Andorra ist geprägt von Hotels, Appartementhäusern und Skiliften. In den Ortschaften sind keine Bungalows oder Einfamilienhäuser zu entdecken. Leben hier überhaupt Einheimische?

 

Die Stadt Andorra de la Vieille ist aus unserer Sicht eine einzige Katastrophe. Gerhard hat innerorts eine Straße für Autos ab 3,5 t verpasst. Wir landen mitten in einem Wirrwarr von engen Gässchen, Einbahn-straßen und überfüllten Parkplätzen. Das Navi piept und nervt uns mit dem Hinweis, dass wir uns in „verbotenem Terrain“ befinden. Eine Polizistin sieht ein, dass wir nicht wenden können und weist uns eine Richtung, in die wir fahren sollen. Gott sei Dank kommen wir nach etwas 200 m wieder auf eine Straße, die den Dimensionen des Steyrs entspricht. Trotzdem zieht sich die Fahrt durch den Ort noch ca. zehn Minuten hin, bis wir das Ortsende-Schild entdecken. Nach weiteren rd. 10 km sind wir in Spanien, Boden und Wald sind wieder grün und es geht immer noch bergab.

 

Unser nächstes Ziel, Gerri de la Sal, scheint jedoch wieder in den Bergen zu liegen, denn schon bald geht es erneut in Serpentinen nach oben. Da es auf 16 Uhr zugeht, ist es an der Zeit, einen Schlafplatz zu suchen. Wir finden ihn oberhalb der Wolken, auf der Abfahrt von einem Berg, umgeben von Wäldern und einem Picknickplatz, den wir aber wegen der herrschenden Außentemperaturen (5° C) nicht nutzen

wollen. Die Nacht ist erwartungsgemäß ruhig. Es fahren nur wenige Fahrzeuge an uns vorbei, die jedoch nicht stören.

 

Am nächsten Morgen geht es in Richtung Gerri de la Sal. Als wir ankommen sind wir überrascht. Offen-bar handelt es sich um eine Separatistenhochburg. An vielen Häusern bzw. Balkonen sind Separatis-tenfahnen gehisst. Nachdem wir die Stadt durchfahren haben, geht es über einer längere Wegstrecke durch mehrere Tunnel und zum Schluss kommen wir bei ca. 500 m Höhe auf einer Ebene an, die sich

ganz schön hinzieht. Rechts und links sind beeindruckende Felsformationen, entstanden aus errodiertem Sandstein. Sie erinnern uns ein wenig an unseren Urlaub in den USA, in dem wir auch viele dieser Sand-steinformationen gesehen haben. Bei der Weiterfahrt bemerken wir, dass wir das Separatistengebiet noch nicht verlassen haben. In La Pobla de Segur hängen die gelben Schleifen der Separatisten an jeder Straßenlaterne.

 

Über kurze, spitze Kehren schrauben wir uns wieder hoch bis zum Port de la Creu de Perves, in 1.335 m Höhe. Auf dem Weg nach oben leuchten die Laubbäume links und rechts in allen Herbstfarben. Indian Summer in Spanien! Auf dem Viu de Llevata haben wir Fotos gemacht, die spätestens nach unserer Rückkehr eingestellt werden. Danach geht es wieder bergab. Die steilen Spitzkehren führen an Kühen und Schafen vorbei, die noch auf der Weide stehen. Zwei Kühe sind ausgerissen und befinden sich rechts von uns im Straßengraben. Sie grasen friedlich und werden hoffentlich von ihrem Besitzer entdeckt, ehe sie einen Unfall verursachen.

 

Nun geht es wieder nach oben bis weit über die Schneegrenze hinaus. Rechts und links wieder geschlos-sene Schneedecke bis zu geschätzt 50 cm Höhe. Nachdem wir einen Tunnel von 5,2 km Länge passiert haben und auf der Fahrt 200 m Höhenunterschied überwunden haben, ist bei der Tunnelausfahrt jeg-licher Schnee verschwunden. Zunächst fahren wir durch Wiesen, dann kommen wieder Laubbäume in rot, braun, grün und gelb. Kurz darauf passieren wir die Grenze von Spanien nach Frankreich. Das war zwar so nicht geplant, aber uns ist entgangen, dass die Straßenführung des Navis von der D 280 zur

D 230 wechselte. Dumm gelaufen! Also geht es erneut über Frankreichs Straßen weiter in Richtung Atlantik. Die Nacht verbringen wir auf dem planierten Parkplatz eines im Bau befindlichen Baumarktes, in Sichtnähe der Straße. Erstaunlicherweise ist es sehr ruhig, und wir schlafen gut. Nachts regnet es hin und wieder, aber die Güsse sind nur von kurzer Dauer.

 

Der nächste Tag (Do., 08.11.) beginnt grau in grau. Am Horizont, bei den Pyrenäen, ist blauer Himmel erkennbar, aber nicht vor Ort bei uns. Kurz nach dem Start biegen wir versehentlich falsch ab und landen auf der kostenpflichtigen Autobahn. Es gibt keine Möglichkeit, mit dem Steyr zurückzufahren und zu drehen, also müssen wir in den sauren Apfel beißen und weiterfahren. Die nächste Ausfahrt gehört aber schon wieder uns und siehe da – es wird für die Strecke (ca. 14 km) keine Gebühr erhoben! Wir können mit unserem Ticket ohne Geldeinwurf ausfahren. Die Schranke öffnete sich sofort, nachdem

Gerhard es in den Schlitz gesteckt hatte. Das Tagesfeeling bessert sich langsam …

 

Unsere heutige Straße trägt die Nummer D 817. Die Durchfahrt von Tarbes erweist sich als ziemlich tricky. Mehrmals müssen wir die Straßennummern wechseln, lediglich das „D“ bleibt bestehen. Es geht teilweise durch die Innenstadt, die für unseren Steyr sehr eng ist, aber der Weg führt auch durch Wohn-siedlungen am Stadtrand und Industriegebiete. Endlich geschafft; wir sind wieder auf der D 817. Pau lässt sich dagegen gut umfahren. Die Straßenführung für die D 817 ist optimal beschildert, so dass wir gut folgen können.

 

Gerhard hat heute Appetit auf Brathähnchen. Wir fahren ab 12:30 Uhr mehrere Supermärkte an, ehe wir in Peyrehorade fündig werden. Für alle, die in Frankreich um die Mittagszeit leckere, frische Hähn-chen essen wollen, sei gesagt: Die gibt es nur bei Carrefour!!! Die anderen Supermärkte bieten gebra-tene Hähnchen oder Hähnchenteile lediglich in der Kühltheke an; sie müssen also noch aufgewärmt werden. Im Carrefour dagegen gibt es die Hähnchen um die Mittagszeit gut verpackt in einem Frisch-haltebeutel an der „warmen Theke“. Die Preise sind unseres Erachtens in ganz Frankreich gleich (wir hatten früher schon welche in anderen Carrefour-Märkten gesehen, daher wusste Gerhard auch, dass es so was gibt!) und die kosteten überall 7,15 €. Dazu noch frische Brötchen aus der Boulangerie und der Magen freut sich.

 

Wir haben das Hähnchen im Steyr direkt auf dem Supermarktparkplatz verspeist, ehe wir weiter fahren. Anscheinend befinden wir uns danach in einem Kiwi-Anbaugebiet, überall bieten Verkaufsschilder Kiwi

feil. Der riesige LKW mit Anhänger vor uns wird immer langsamer, ehe er komplett zum Halten kommt. Ah, ein Unfall! Der Abschleppwagen ist schon da; die Straßenmeisterei hat den Unfallort mit einer Ampel gesichert.

 

Jetzt geht es wieder über die spanische Grenze und wir befinden uns ab sofort im Baskenland. Die Namen der Städte, aber auch der POIs, sind für Ausländer sicher nur schwer zu entziffern und etwas

gewöhnungsbedürftig, weil die baskische Schreibweise angewendet wird. So heißt der Flughafen „aireportua“ anstelle von „aeropuerto“ im Spanischen. Vielleicht schon ein bisschen Vorgeschmack auf Portugiesisch, was ja mit Portugal demnächst Ziel unserer Reise ist und dessen Sprache meiner Ansicht nach Ähnlichkeiten aufweist.

 

Kurz vor Lezo findet Gerhard eine Tankstelle, die den Diesel für 1,285 € anbietet. Da müssen wir natür-lich zuschlagen!. Weiter geht es Richtung Bilbao. Die heutigen, letzten Kilometer sind noch einmal sehr unangenehm, weil die Städte an der Küste direkt ineinander übergehen. Teilweise bekommen wir über-haupt nicht mit, dass wir bereits in der nächsten Stadt sind, weil wir uns intensiv auf die Route konzen-trieren müssen. Plötzlich entdecken wir in San Sebastián ein Hinweisschild zum Hafen. Wir haben schon des Öfteren in Häfen übernachtet, also versuchen wir es auch hier. Dieser Hafen ist aber anders. Um in das Hafengebiet zu gelangen, muss eine Schranke passiert werden, die mit einem Wachtposten besetzt ist. Da wir nichts auf dem Hafengelände zu suchen haben, können wir nicht einfahren.

 

Also geht es zurück zur ursprünglichen Route auf die A-15. Rechts und links sind noch Hochhäuser – wir befinden uns demnach noch im Stadtgebiet. Langsam erklimmen wir über diese (kostenlose) Autobahn

zunächst mal wieder Kehre um Kehre bis zu 1.500 Höhenmeter. Als wir endlich oben angekommen sind, nehmen wir die erste Abfahrt. Mittlerweile ist es bereits 17 Uhr, und die Sonne bereitet sich auf ihren Untergang vor. Über die Ausfallstraße sind wir dennoch bis kurz vor 18 Uhr unterwegs, ehe wir einen geeigneten Stellplatz finden. Grund dafür ist, dass die Straße, bei der wir abgefahren sind, in ein Tal führt, dass auf der einen Seite von Felsen, auf der anderen Seite von einem Bach begrenzt wird. Die Grundstücke mit Häusern liegen dazwischen, aber es führt kein Feldweg ab, den wir nutzen könnten, um zum Beispiel auf eine Wiese zu kommen oder am Feldrand zu halten.

 

Wir bekommen die Erlaubnis, auf dem Hof einer Caldereria (baskisch: Kesselschmiede) zu übernachten. Die Durchgangsstraße ist nur ca. 10 m von unserem Übernachtungsplatz entfernt – möglicherweise wird

die Nacht etwas unruhig. Ashley findet es auch nicht so toll. Auf dem ersten Spaziergang nach unserer Ankunft verhält sie sich eher zurückhaltend, was so gar nicht ihre Art auf fremdem Terrain ist.

 

Mit kurzen Unterbrechungen regnet es die ganze Nacht hindurch. Am Morgen ist der Himmel mit grauen Wolken übersät, Nebelschwaden hängen mancherorts, aber der Regen hat aufgehört. Wir fahren weiter

durch das enge Tal, in dem wir laut Beschilderung 1,5 m Abstand zu den Radfahrern halten sollen, andererseits die Straße aber höchstens 6 m und unser Steyr 2,50 m breit ist. Wenn dann noch einer in der 2. Reihe parkt, was häufiger vorkommt als bei uns in Deutschland, bleibt oft nichts anderes übrig, als zu warten bis die Straße wieder frei ist.

 

Zwischendurch weitere Beispiele der baskischen Sprache: „anbulatoria“ für Ambulanz (ja, es wird mit „n“ geschrieben, nicht – wie zu erwarten – mit „m“!) und zwei Ortsnamen: Urretx und Legazpi. Übrigens lautet der baskische Name von Bilbao BILBO. Na, klingelt was? Ja, richtig, Herr der Ringe. Ob der Autor den Namen aus dem Baskenland „geklaut“ hat?

 

Nachdem wir das enge Tal durchquert haben, kommen wieder auf die Autobahn; dieses Mal auf die N-1. Die Fahrer sind generell sehr aggressiv unterwegs. Wenn es beim Auf- oder Abfahren der Auto-bahn nicht schnell genug geht, wird gehupt. Ist ein Auto zu langsam am Berg unterwegs, wird gehupt. Dabei stehen gerade an steilen Stellen drei Spuren zur Verfügung, damit der Langsamste ganz rechts fahren kann. Sämtliche Baustellen, sowohl auf Autobahnen als auch auf „Bundes“straßen, machen – im Gegensatz zu Deutschland – einen sehr geschäftigen Eindruck. Sowohl Maschinen als auch Personen sind zuhauf am Arbeiten und alles wirkt sehr durchorganisiert. Eine Baustelle, auf der nur ein oder zwei Personen oder Bagger im Einsatz sind oder eine, auf der sich überhaupt nichts tut, gibt es hier nicht!

 

Kurz vor dem Landeswechsel nach Kantabrien erhaschen wir von der A-8 einen ersten Blick aufs Meer. Etwas später führt sie stellenweise auch am Meer entlang. Unser nächstes Etappenziel ist Laredo. Dort wollen wir uns nach eine Ver- und Entsorgung für das WoMo umschauen. Außerdem möchten wir mit WiFi die aktuelle Datei ins Netz stellen. Wir finden einen wunderschönen Campingplatz am Meer, im ASCII-Führer als Wi-Fi ausgewiesen, aber leider geschlossen. Zwei Arbeiter richten den Platz für die nächste Saison her: Sie rechen Laub zusammen und schneiden die Bäume. Sie erlauben uns, unsere Wasservorräte aufzufüllen und den Grauwasser und Fäkalientank u entsorgen. Leider funktioniert das

WiFi nicht, wahrscheinlich wurde es zwischenzeitlich abgeschaltet.

 

Das Wetter hat sich inzwischen gewandelt. Die Sonne scheint und es weht ein angenehm warmer Wind. Weil es uns so gut hier gefällt, übernachten wir vor dem Campingplatz zwischen den Dünen mit Blick

aufs Meer. Vor dem Schlafengehen genießen wir noch einen herrlichen Spaziergang am Meer entlang. Seit unserer Ankunft ist der Meeresspiegel angestiegen. Der Sandstrand, auf dem wir vorhin noch mit Ashley unterwegs waren, steht mittlerweile komplett unter Wasser. Nach einer ruhigen Nacht  beob-achten wir beim Frühstück Jogger und Hunde, die die Dünen für das morgendliche Fitness-Programm nutzen. Obwohl inzwischen etwas regnerisch, lassen sie sich nicht aufhalten.

 

Vor dem eigentlichen Start machen wir noch einen Zwischenstopp im Supermarkt. Unser Dosenöffner hat den Geist aufgegeben und auch das Brot wird knapp. Da heute Samstag ist, müssen wir für das Wochenende mitplanen. Aber wird werden in allem, was benötigt wird, fündig. Als wir wieder auf der Autobahn sind, geht das Gehupe von gestern gleich wieder los.

 

Das Wetter ist inzwischen zunehmend sonnig geworden. Nach der Abfahrt von der Autobahn geht es durch kleine Täler, in denen viele Grundstücke mit geschichteten Bruchsteinmauern begrenzt sind. Radfahrer gibt es auch en masse – wir fahren eine „ruta byciclista“ entlang. Die Radler nutzen ihr Recht weidlich aus, fahren auch häufig zu zweit nebeneinander und der Abstand soll immer noch 1,50 m betragen, siehe oben. Aber irgendwann ist die Radfahrerroute zu Ende und die CA-281 schraubt sich langsam in engen Kehren bis auf 600 m nach oben. Es liegen viele lose Äste auf der Straße, die sich möglicherweise bei einem Sturm in der vergangenen Nacht losgerissen haben und durch den Wind verstreut wurden.

 

Die kleinen Straßen sind gut ausgebaut, aber es herrscht wenig Verkehr. Wir fahren an riesigen Weiden vorbei, die von Schafen oder Kühen abgegrast werden. Es gibt wenig Wald. In den Dörfern fallen die

Dächer ins Auge, die mit unterschiedlich farbigen Dachpfannen „belegt“ sind. Über eine Sackgasse geht es weiter nach San Sebastian de Galabrandal. Dort erschien am 01. Juni 1961 der Erzengel Michael ein paar jungen Mädchen. Er ließ über sie die Warnung weitergeben, dass die Menschheit ihr Leben zum Guten ändern müsse. Am 02. Juni 1961 wurde die Jungfrau Maria ebenfalls dort gesehen, die die Warnungen von Michael wiederholte und intensivierte.

 

Im Vergleich zu den Wallfahrtsorten Fatima und Lourdes geht es hier sehr geruhsam zu.   Alles zusam-men gezählt (inklusive einer Schulklasse) sind vielleicht 50 Touristen/Pilger im Ort. Es gibt ein Touris-musbüro und auch ein Souvenirlädchen. In beiden hat sich während unseres Aufenthaltes kein Tourist verirrt. Die Parkplatzsituation ist überschaubar, es gibt kein Gedrängel. Der Aufstieg zum Kreuz ist

für Fußgänger recht steil, wird aber von uns dreien (Gerhard, Ashley und mir) gut gemeistert. Energe-tische Schwingungen können wir keine feststellen.

 

Über die A-8 geht zurück zum Meer. Nach einer Steilküste in Llastres finden wir in Rodiles einen Sand-strand. Der Anfang unserer Suche nach einem Stellplatz gestaltet sich schwierig. Wir fahren an fünf

unabhängig voneinander liegenden Parkplätzen vorbei, die jeweils vier bis sechs Plätze ausschließlich für Rollstuhlfahrer ausweisen. Andere Autos dürfen hier nicht stehen. Nicht einer der Parkplätze ist belegt. Wir drehen am Ende der Straße um und fahren noch einmal zurück. Und siehe da – ganz am Anfang gibt es einen Parkplatz, bei dem WoMos sogar über Nacht stehen dürfen. Keine Frage – hier wird übernachtet!

 

Der nahe gelegene Strand wird aktuell intensiv von Wellenreitern genutzt. Mindestens zwanzig davon tummeln sich in den wogenden Fluten. Ein Strandangler hat zwei Angeln aufgestellt, aber noch keine Beute gemacht. Ashley trifft etliche Kumpel zum Spielen am Strand. Wir treffen ein älteres Ehepaar mit WoMo aus Würzburg. Sie sind ebenfalls auf dem Weg über Portugal nach Südspanien, wo sie – wie

bereits schon seit zwanzig Jahren – überwintern wollen. Sie geben uns ein paar Tipps für die dortigen Nationalparks.

AmSonntagmorgen fahren wir bei guter Zeit in VILLAVICIOSA los. Unser Stellplatz am Playa de Ridles hat leider so gelegen, dass wir von dort nicht das Meer sehen konnten. Es ist gerade Ebbe und Gerhard hat bei seinem Morgenspaziergang mit Ashley nur eine Wellenreiterin entdeckt. Wahrscheinlich liegen die alle noch in ihren Schlafsäcken, denn das Wetter heute früh ist alles andere als einladend. Da wir heute vorwiegend auf der A-8 Richtung Westen unterwegs sein werden, ist das für uns nicht allzu schlimm.

 

Durch die lange Autobahnfahrt gibt es heute nicht so viel zu erzählen. Ich widme meinen Text daher heute den verkehrstechnischen Errungenschaften von Spanien, die auch in Deutschland vielerorts

sinnvoll wären. Die erste Idee sind im Boden angebrachte Lichtsignale vor Zebrastreifen. Sie sind auch bei Regen gut erkennbar und weisen auf die Gefahrenstelle hin. Bei dem zweiten Gedanken handelt es sich um Ampeln, die in verkehrsberuhigten Zonen aufgestellt werden können. Die uns bekannte Ampel besteht aus den Lichtsignalen Rot-Gelb-Grün. Die Spanier kennen jedoch noch eine Variante, in der es oben Rot gibt und die beiden anderen Lichtsignale abwechselnd Gelb blinken. Diese Art von Ampeln sind mit einer Geschwindigkeitsmessung im Boden versehen und stehen in  längeren verkehrsberuhigten Zonen in Abständen von ca. 30-50 m hintereinander. Generell zeigen alle Ampeln rotes Licht. Nähert sich ein Auto, das die zugelassene Höchstgeschwindigkeit überschreitet, der Ampel, bleibt sie auf rot

stehen und der Verkehrs"rowdy" muss anhalten. Danach schaltet sie auf Blinklicht und er kann weiter-fahren. Dieses Spiel wiederholt sich die ganze Strecke hindurch. Die nächste Ampel ist rot – er ist wieder

zu schnell – sie bleibt rot – er muss anhalten – sie schaltet auf Blinklicht – er kann weiterfahren. Der-jenige, der die Höchstgeschwindigkeit dagegen einhält, hat keine Schwierigkeiten. Die Ampel zeigt bis unmittelbar vor dem Passieren seines Fahrzeugs Rot, schaltet aber automatisch auf Blinklicht um, so dass der Verkehrs“engel“ unbeanstandet, also ohne Stopp, weiterfahren kann.

 

Nun wieder zurück zu unserer Fahrt. Die Autobahn ist fast ausgestorben. Bei RIBADEO fahren wir von Kantabrien nach Galicien. Wir fahren auf die N-642 ab, um einen Schlafplatz zu suchen und finden ihn am Hafen von O VICEDO. Wir haben von unserem Wohnmobil einen guten Blick direkt aufs Meer, die Fischerboote und den kleinen Yachthafen. Der Besitzer des kleinen Lokals, der „Bodeguita“ winkt uns freundlich zu. Zwei Männer, die sich im Hafenbereich befinden, bestaunen unser Fahrzeug und kommen näher. Schnell kristallisiert sich heraus, dass es sich um zwei „Aussteiger“ handelt, der eine aus Holl-land, der andere aus Belgien. Sie haben sich hier kennengelernt und sind mittlerweile befreundet. Der Holländer lebt bereits seit zehn Jahren in Spanien.

 

Wir machen einen Rundgang durch den Ort und stellen fest, dass es sehr viele Neubauten gibt. Es handelt sich dabei um bis zu 4-geschossige Gebäude mit jeweils mehreren Wohnungen und einem traumhaften Blick auf die Bucht und den Hafen. Trotzdem scheint die Mehrzahl, in manchen Gebäuden sogar alle, der Wohnungen leer zu stehen. Vor der Rückkehr zu unserem WoMo machen wir Halt bei der Bodeguita. Die beiden Herren sind auch da und so kommt es zu einem regen Austausch. Wir fragen, warum so viele Wohnungen leer stehen. Der Holländer erklärt, dass sie vor wenigen Jahren mit EU-Geldern gebaut wurden, die örtliche junge Bevölkerung aber gen Westen zieht, weil es in der Stadt so gut wie keine Arbeitsplätze gibt. Daher wurden die Wohnungen nicht bezogen. Mittlerweile lässt man sie verrotten, weil das billiger kommt, als sie zu unterhalten. Eine 100 – 120 qm große Wohnung sei für 45.000,00 bis 55.000,00 € zu erwerben. Richtung Westen sei die gleiche Wohnung mindestens 100 % teurer, aber dort gebe es eben Arbeit, was für die jungen Leute aus O Vicedo.

 

Aus der Küche des kleinen Restaurants zieht leckerer Essensduft. Wir können nicht widerstehen. Gerhard isst gegrillten Tintenfisch und ich entscheide mich für Schweinegeschnetzeltes mit Paprika und Zwiebeln. Als Nachtisch genehmigt sich Gerhard noch eine Portion Frischkäse mit Honig. Dazu trinken wir ein Bier, ein stilles Wasser, eine Cola Zero und zwei Cafe sólo. Die Rechnung für alles zusammen beläuft sich auf 28,40 €. Wir können jetzt durchaus verstehen, dass der Holländer in Spanien billiger leben kann …

 

Am nächsten Morgen ist strahlendes Wetter. Wir machen den Morgenspaziergang mit Ashley heute gemeinsam. Die Bodeguita hat schon offen und wir machen dort bereits die erste Kaffeepause: ein Cafe

sólo und ein Cafe grande con leche für 2,66 €. Der Wirt wünscht uns eine gute Weiterfahrt. Nach dem Frühstück im Steyr geht es in Richtung westlichster Zipfel Spaniens nach FISTERRA. Für den Weg dorthin haben wir uns dieses Mal für die kürzeste – also nicht die schnellste – Route (diese beiden Varianten gibt es bei unserem Navi) entschieden.

 

Eigentlich müsste es eine Kombination aus beiden Varianten geben. Generell die kürzeste Route einzu-geben, ist nicht sinnvoll. Bei dieser Einstellung werden sämtliche Wege abgeglichen und der kürzeste Weg genommen. Das bedeutet unter Umständen, dass wir in der Großstadt durch Wohngebiete fahren und nicht die Hauptstraße nehmen, weil der Weg dadurch vielleicht 50 m kürzer  ist. Es kann auch passieren, dass wir durch enge, winklige Gässchen  n einem Dorf navigiert werden, um 80 m zu sparen, die wir weiter hätten fahren müssen, wenn wir auf der Umgehungsstraße geblieben wären. Gerhard sieht aber insbesondere die engen Straßen mit Häusern, bei denen die Balkone hervorspringen, und

Verkehrsteilnehmern, die in 2. Reihe parken, als sportliche Herausforderung und meint, dass sich durch diese „Hindernisfahrerei“ sein fahrerisches Können nur verbessern könne.

 

Aber, wie gesagt, wir haben dieses Mal im Navi den kürzesten Weg gewählt und fahren daher auf der AC-115, der N-651, auf der wir auch für 1,219 € Diesel tanken, weiter auf der N-IV, der AC-214, der N-550, der DP-3109, der AC-523, der AC-400, über die AC-413 entlang durch  diverse Städte und Dörfer. Die Waldgebiete sind in dieser Gegend von Eukalyptusbäumen geprägt.

 

Die Galizier haben, ähnlich wie die Basken, ihre Sprache auch in den Hinweisschildern umgesetzt. Wir fahren also vorbei an Wegen, die zum Praia (span. Playa=Strand), zum Porto (span. Puerto=Hafen) oder zur Igrixa (span. Iglesia=Kirche) führen. Als Gerhard von der vielen Kurbelei (der Steyr hat noch keine Servo-Lenkung) in den engen Straßen und Dörfern langsam etwas genervt ist, stellen wir den

„schnellsten Weg“ im Navi ein. Über die AG-55 (eine Gratis-Autobahn), die AC 552 und die AC 445 erreichen wir schließlich unser Ziel, den Leuchtturm (Faro) von FINISTERRE. Nachdem wir alles ausgiebig angeschaut haben, fahren wir ein Stück zurück in die Stadt und finden vor Ort in der Nähe eines Stran-des einen schönen Platz zum Übernachten.

Wir stehen noch nicht lange, als ein weiteres Wohnmobil ankommt und den Stellplatz begutachtet. Es handelt sich dabei um französisches Paar, das auch einen Schlafplatz sucht. Das Areal ist groß genug, und sie finden ebenfalls eine Bleibe für die Nacht. Als Gerhard am nächsten Morgen mit Ashley unter-wegs ist, trifft er die Frau. Sie hat sich anscheinend mittlerweile anhand unseres Kennzeichens über unsere Herkunft informiert und begrüßt Gerhard daher mit „Ah, ein Deutschländer!“. Wir vermuten mal, dass ihr ein sprachlicher Fauxpas unterlaufen ist (schließlich gibt es auch„Engländer“) und sie das nicht auf die Würstchen bezogen hat ;-) .

 

Wir starten nach dem Frühstück bei tollem Wetter, geraten aber bald in Nebelbänke. Durch das andauernde Berg und Tal fahren haben wir einen permanenten Wechsel von Sonnenschein und Wolken bzw. Nebelbänken. Das ist sehr nervig, zumal es durch die Temperaturunterschiede zu feuchten Beschlägen an den Fenstern im Fahrerhaus kommt. Dieses Wechselspiel von Sonne und Nebel dauert bis nach 12 Uhr an.

 

Seit unserer Abfahrt heute früh suchen wir nach einem Supermarkt. Er muss bestimmte Voraus-setzungen erfüllen, damit wir mit dem Steyr dort halten können. Viele Märkte sind zu klein, so dass wir mit dem Steyr gar nicht auf den Parkplatz kommen oder aber sämtliche verfügbaren Plätze einnehmen. Bei manchen ist die Einfahrt größerer Fahrzeuge als PKWs mittels einer Stange verboten, die so tief hängt, dass wir mit dem Steyr nicht durchfahren können. Andere haben die Parkplätze mit Dächern beschirmt, damit den Kunden weder Sonne noch Regen etwas anhaben kann. Leider sind diese Dächer für den Steyr zu niedrig, so dass das Parken für uns auch da nicht möglich ist.

 

In PONTEVEDRA werden wir fündig. Ich habe von der Hauptstraße aus einen Carrefour in einer Neben-straße erblickt. Diese Märkte sind meist riesig und haben daher auch einen großen Parkplatz. Wir können der heißen Theke erneut nicht widerstehen und holen uns dieses Mal eine Haxe. Außerdem frischen Fisch, der aber erst Morgen auf den Tisch kommen wird und Brot, das - wie sich später herausstellt - sehr gesund schmeckt und riecht. Meine Urgroßmutter war Selbstversorgerin und zog jährlich ein Schwein auf, dass im November geschlachtet wurde. Wenn sie für dieses Schwein das Futter aus frisch gekochten und zerstampften Pellkartoffeln und Kleie zubereitete, roch das fast genauso wie das Brot. Wahrscheinlich schmeckte es auch ähnlich ... Wir werden es auf jeden Fall nicht mehr kaufen!

 

Als wir durch CESANTES über eine Brücke fahren, sehen wir wieder das Meer. Allerdings ist nur ein Ausschnitt zu sehen, so dass das Ganze eher wie ein See als ein Meer wirkt. Es erinnert ein bisschen an die oberitalienischen Seen, und es könnte sich direkt um den Lago Maggiore handeln. Weiter geht es nach TUI, wo wir um 14:20 Uhr die Grenze nach Portugal überfahren. Als wir dann unser nächstes Ziel im Navi hochladen, stellen wir fest, dass wir 30 km zurück (und damit auch zurück nach Spanien) müssen, um auf die richtige Route und zu dem ersten geplanten Naturpark zu gelangen. Wir sind „not amused“, aber es hilft nichts und wir drehen um. Wir schlafen in der Nähe von OUENSE, im Industrie-gebiet, vor einer Lagerhalle, in der Nähe einer Quelle. Der Fernseher funktioniert heute Abend mal wieder, und wir haben vier spanische Sender zur Auswahl.

 

Am Morgen ist der Boden mit Raureif bedeckt und der Himmel wolkenlos. Durch die kalte Nacht laufen jedoch die Fenster im Fahrerhaus wieder an und außerdem wiederholt sich das Spiel von gestern (Nebelbänke und Sonnenschein). Der Nebel ist teilweise so dicht, dass in der Mitte der Straße nur vier Markierungsstreifen zu erkennen sind und danach beginnt die „weiße Wand“. Unverständlich, dass manche Autofahrer mit weißen! Autos bei diesem Wetter ohne Licht fahren.

 

Dieses Mal überqueren wir die Grenze bei VILA VERDE DE RAIA. Portugal empfängt uns mit grauem Himmel, und Wolken verhangen. Die Straße führt durch eine weite Ebene, die Bergspitzen in der Ferne sind von Wolken eingehüllt. Wir stellen unsere Uhren um eine Stunde zurück, denn wir sind jetzt in einer anderen Zeitzone. Die N-103, die wir aktuell befahren, bietet rechts und links der Straße viele Park-möglichkeiten mit teilweise atemberaubenden Aussichten. Als wir an dem Stausee im Naturschutzpark ankommen, ist Gerhard zunächst etwas enttäuscht. Der Wasserspiegel ist bei weitem nicht so hoch,

wie er es angenommen hat. Aber – kein Problem, durch das fehlende Wasser bietet sich unvermutet die Möglichkeit, erste Offroad-Erfahrungen mit dem Steyr zu sammeln. Aussteigen möchte ich hier nicht: Auf der Windschutzscheibe sind sehr viele kleine Fliegen versammelt und nach dem gestrigen Fern-sehbericht von einer Moskito-Plage in Katalonien bin ich eher vorsichtig. Gerhard und Ashley bedauern das zwar, verzichten aber auch dank meiner warnenden Hinweise.

 

Beim Weiterfahren sehen wir sehr viele schöne und große Einfamilienhäuser, die alle unbewohnt wirken. Wir vermuten, dass es sich ausschließlich um Sommerhäuser handelt, die momentan nicht

genutzt werden. Außerdem sind die Leute hier „steinreich“, denn es gibt viele geschichtete Steinmauern zwischen den einzelnen Grundstücken. Es wachsen hier viele Reben und andere Obstsorten. Die Straßenverhältnisse, Vegetation und Bebauung erinnern an Täler aus Südtirol. Wir fahren stellenweise auf der „rota de romantica“, können es jedoch nicht so richtig genießen, denn durch das ständige Auf und Ab sind öfter mal die Ohren zu. Über schmale Straßen und viele Kurven kommen wir nach LAMEGO,

unserem Übernachtungsort.

 

Von der Besitzerin des Campgrounds werden wir sehr freundlich empfangen. Nachdem wir die Ver- und Entsorgungsstelle genutzt haben, dürfen wir uns einen Platz aussuchen. Gerhard wählt einen Platz mit großartigem Blick auf die Stadt. Lamego sei ein historischer Ort, wird uns erklärt, weil dort der erste portugiesische König residiert hat. Es gibt viele schön restaurierte Kirchen und Häuser. Eine der Kirchen

thront hoch oben über der Stadt und weil wir uns ebenfalls auf einer Anhöhe befinden, ist sie nur sieben Minuten Fußweg von unserem Stellplatz entfernt. 620 Stufen führen von hier hinunter in die Stadt.

 

Wir teilen uns den Campingplatz für die Nacht mit einem Schweizer Pärchen, das mit einem Westfalia-VW-Bus unterwegs ist. Wie sich herausstellt, wollen sie auch nach Marokko, zuvor aber noch den höchsten Berg Portugals besuchen. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch einmal auf dem afrikanischen Kontinent.

 

Am nächsten Morgen fahren wir bei Nebel los, bis aus dem Nichts heraus plötzlich die Sonne erscheint. Wir haben ab sofort wieder freie Sicht und das Thermometer klettert bis auf 22° C. Bis TONDELA fahren wir heute auf de Autobahn, dann fahren wir über die IP-3, eine Art Bundesstraße, die durch Wein- und Olivenanbaugebiete führt. Wir kommen zu unserem anvisierten Ziel, dem Stausee bei MONTAGUA, der aber zu Gerhards Bedauern nur bedingt Wasser führt. Normalerweise handelt es sich um ein großes, zusammenhängendes Wasserschutzgebiet, was aber jetzt teilweise durch Sandbänke unterbrochen ist. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil davon ist jedoch, dass wir in dem trockenen Flussbett ein bisschen Offroad fahren können - erstmals in diesem Urlaub.

 

Es geht weiter die IP-3 entlang. Auch der Mondego-See, der uns streckenweise abwechselnd rechts und links der Route begleitet, ist ein solches Wasserschutzgebiet. Die Straßenmeisterei ist mit Herbst be-dingten Aufräumarbeiten am Straßenrand zugange. Immer wieder treffen wir auf Weinberge und auch erste Olivenhaine finden sich neben der Straße. Wir haben eine kleine unfreiwillige Pause durch einen

Schwertransport auf der N-111, aber nach nicht einmal zehn Minuten ist alles vorbei. Bei MONTEMOR DE VELHO sehen wir schon von weitem das auf einem großen Hügel mitten in der Stadt gelegene Schloss. Das Städtchen macht einen sehr ansprechenden Eindruck. Hier lässt es sich bestimmt gut wohnen.

 

Unser Schlafplatz heute Nacht ist in FIGUEIRAS DA FOZ, direkt am Meer, gegenüber des Fischereihafens auf der einen und der Stadt auf der anderen Seite. Wir treffen auf ein paar Senioren, die ihre Angel

ausgeworfen haben. Ganz in der Nähe befinden sich ein paar Reihenhäuser, die jedoch zur Zeit anschei-nend nicht genutzt werden. In der Nacht stehen mit unserem WoMo ganz allein, nur mehrere streunen-de, sehr scheue Katzen leisten uns Gesellschaft. Heute wird auf unserer Fahrt das erste Mal der Back-ofen in Betrieb genommen. Es gibt Ofenkäse, eines von Gerhards Leibgerichten!

 

Am nächsten Morgen fahren wir auf der N-109 in Richtung SANTAREM. Die Straße ist gesäumt von ausgesprochen großen Häusern, die alle die Individualität ihrer Eigentümer widerspiegeln. Zuerst kommt ein Bungalow, der auf drei Seiten von einem Säulengang umgeben ist, wie man ihn von einem griechischen Tempel kennt. Davor befindest sich ein angelegter „Schloss-Garten“ en miniature mit winzigen Blumenbeeten, Hecken und Kieswegen, der jedem Renaissance-Schloss zur Ehre gereichen würde. Vor dem nächsten Haus, das an die Sommerhäuser aus der Toskana erinnert, mit bis auf

den Boden reichenden Fenstern und großen Fensterläden, gibt es einen Naturteich in einer Blumen-wiese. Ein paar Meter weiter befindet sich ein minimalistischer Kubusbau mit akkurat geschnittenem,

englischen Rasen, auf dem kein Unkräutlein zu sehen ist. Ein Potpourri an unterschiedlichen Bauweisen bzgl. Gebäude und Gärten. Die Baubehörden in Deutschland würden von einem Koma ins nächste

fallen!

 

Was bei den Häusern auffällt, ist die Tatsache, dass bei zweigeschossigen Häusern in der Regel eine Außentreppe ins obere Stockwerk führt. Ob es sich dabei generell um eine Einliegerwohnung handelt oder ob einfach nur ein zweiter Zugang geschaffen wurde, ist nicht erkennbar. Auch hier wäre die deutsche Baubehörde aktiv, denn manche Treppen sind ohne Geländer. Schade ist, dass der Großteil

der Häuser anscheinend nur als Sommerresidenz dient und derzeit nicht genutzt wird (überall ge-schlossene Roll- oder Fensterläden, kein Auto vor der Tür). Dafür in den Sonnenmonaten aber intensiv,

denn ein Haus ohne überdachte Veranda gibt es nicht; meist sind es sogar zwei oder drei, die zu den unterschiedlichen Himmelsrichtungen gewandt sind.

 

Die einzelnen Orte an der Straße gehen ineinander über, so dass nicht genau erkennbar ist, wo der eine Ort aufhört und der nächste beginnt. Heute ist die Polizei vielfach präsent, was in den vergangen Tagen gar nicht der Fall war. Über die Nachrichten können wir auch keinen Hinweis diesbezüglich entdecken. PORTO DE MOS hat eine wunderschöne Festung (siehe Foto, das noch eingestellt wird). Auch dieses Städtchen ist sehens- und liebenswert. Ab hier geht die N-362 auf Kehren wieder „nach oben“, um anschließend im VAL VERDE wieder nach unten zu führen. Hier ist einerseits die Olivenernte in vollem Gange, andererseits sind die Bauern damit beschäftigt, die Olivenbäume zurückzuschneiden und „winterfest“ zu machen.

 

Bei SANTAREM fahren wir auf die Autobahn. Die Landschaft ist sehr unterschiedlich. Rebhänge, Oliven-haine, Pinienwälder und Reisfelder wechseln sich ab. Von ACALCERA DO SAL sind es nur noch rund zehn

Kilometer zu unserem heutigen Stellplatz. Bei 25° C und tiefblauem Himmel erreichen wir den Stausee. Er ist wunderschön gelegen, und Ashley findet es auch toll. Sie rennt nach der Ankunft sofort zum See, um sich von der Fahrt abzukühlen und etwas zu trinken. Wir treffen auf ein nettes, junges Paar aus der Schweiz, das mit einem Ford Transit unterwegs ist. Die beiden befinden sich mehr oder weniger auf ihrer Rückreise. In Madrid trafen sie auf Schnee und hier wollen sie noch einmal richtig die Sonne genießen. Das ist auch unser Plan, nachdem so herrliches Wetter ist. Wir sitzen bis zum Dunkelwerden vorm WoMo und wollen mindestens eine weitere Nacht bleiben.

 

Der nächste Morgen, 17.11., wirft unsere Planung vom Vorabend über den Haufen. Es ist grau bewölkt, die Temperaturen sind um mindestens 10° C gefallen. Wir entscheiden uns daher beim Frühstück für die

Weiterfahrt. Wir füttern das Navi mit SINES als nächstem Zielpunkt. Merkwürdigerweise führt es uns drei Kilometer in die falsche Richtung, um uns nachher umkehren zu lassen … Auf der Rückfahrt nach Acalcera do Sal sehen wir rechts und links der Straße viele Störche in den Reisfeldern stehen. Gerhard sind gestern Nachmittag zwar die Storchennester aufgefallen, aber sie waren alle leer. Heute stehen in dem einen oder anderen Nest jeweils zwei Störche, Nachwuchs ist jedoch nicht zu sehen.

 

Auf der IC-1 kommen wir an Aufforstungsgebieten für Pinienwälder vorbei. Rechts und links der Straße ist überall Sandboden. Bei der nächsten Tankstelle hält Gerhard an, um den Reifendruck zu prüfen.

Dabei stellt er fest, dass eines der Ventile undicht ist. Zum Glück ist gegenüber der Tankstelle, auf der anderen Straßenseite, eine Reifenwerkstatt. Wir fahren hin, und es stellt sich heraus, dass drei

Räder kaputte Ventileinsätze haben. Da wir keinen Ersatz dabei haben, erhält Gerhard von dem Werkstattbesitzer noch einen kleinen Vorrat an neuen Ventileinsätze als Geschenk. Weiter geht es auf der IC-33 gen Westen, Richtung Atlantik. Kurz vorher halten wir noch an einem Intermarché, um uns mit Brot fürs Wochenende einzudecken. Der aus dem ACSI-Camping- und Stellplatzführer 2018 aus-geguckte Stelllatz in ALMOGRAVE ist mittlerweile für Wohnmobile verboten (eingeschränktes Halte-verbot). Bei der Weiterfahrt zum nächstgelegenen Stellplatz in CAVALEIRO stimmen die angegebenen

Koordinaten nicht. Sie führen in die Ortsmitte, aber nicht zum Stellplatz am Leuchtturm. Die richtigen Koordinaten laut unserem Navi lauten N 37° 59‘ 69“ und W 8° 81‘ 63“. Nach unserer Rückkehr werden wir ACSI zwecks Update darüber informieren.

 

Die Nacht am Leuchttrum verläuft sehr ruhig. Als wir beim Frühstück sitzen, kommen vier Moto-Cross-Räder mit viel Getöse aus der Dünenlandschaft herausgefahren, in der wir uns befinden. Die jungen Männer haben ihren Frühsport bereits hinter sich. Vor der Abfahrt laufen wir noch einmal in Richtung der Klippen. Gerhard hat dort gestern ein Storchennest entdeckt. Er hatte keinen Fotoapparat dabei und will die Aufnahme jetzt machen. Das Nest ist noch da, aber die beiden Störche sind heute nicht zu sehen. Bei unserer Rückkehr treffen wir am Steyr eine Australierin, die Europa mit ihrem WoMo einen Besuch abstattet. Sie bewundert unser Fahrzeug und wünscht uns eine gute Reise.

 

Nächstes Ziel ist der südwestlichste Punkt Portugals, der Leuchtturm von Sao Vicente. Weil unser Navi unter SAO VICENTE keine Auswahl anbietet, geben wir als nahe gelegenen Ort VILA DO BISPO ein. Wir starten unter grauen Wolken, aus denen ab und zu ein Schauer niedergeht. Nachdem wir über die N-393 wieder auf der N-120 unterwegs sind, geht es gut voran. Bei ALJEZUR grüßt schon von weitem die Burgruine von einem Hügel oberhalb der Stadt. Über die N-268 gelangen wir schließlich zum Leuchtturm. Aufgrund des sehr wechselhaften Wetters sind heute nicht viele Besucher da. Unser Park-platz liegt daher nur etwa 150 m vom Eingang entfernt. Wir werden von einem kleinen weißen, voll-kommen durchnässten Hund empfangen. Er scheint hierher zu gehören, denn er lässt es sich nicht nehmen, jedes ankommende Auto persönlich zu begrüßen. Anschließend begibt er sich auf einen Platz, von dem aus er alles genau überblicken und beobachten kann. Ashley beschnuppert er nur kurz, dann muss er seine Position als „Wächter“ wieder einnehmen.

 

Wir haben Glück, denn als wir ankommen, regnet es nur noch leicht, so dass wir problemlos etliche Fotos machen können. Rechts der Atlantik, links das Mittelmeer – das hat schon was! Zwei Männer

haben auf einem Felsvorsprung unter uns die Angel ausgeworfen. Ob sie etwas gefangen haben, kön-nen wir von oben nicht sehen. Bei der Fahrt Richtung SAGRES kommen wir am Fort de Beliche vorbei, von dem wir auch ein Foto geschossen haben. Das Wetter bessert sich weiter auf dem Weg nach ALBUFEIRA. Es gibt zwar immer noch mal einen Schauer, aber die Abstände werden länger. Für die Fahrt dorthin nutzen wir die Autobahn, die A-22, die als „vía do infante“ (Straße

des Prinzen) ausgewiesen wird.

 

Kurz vor Albufeira fahren wir von der Autobahn ab. Wir müssen noch ein paar Kilometer über Land-straßen fahren. Die Einstellung im Navi lautet „kürzeste Zeit“. Plötzlich werden wir durch Gässchen navigiert, die wir bisher nur aus der Variante „kürzeste Entfernung“ kennen. Gerhard nimmt es wieder gelassen. Bei einer besonders engen Stelle kommt uns ein älteres Ehepaar entgegen. Die Frau lächelt uns freundlich zu, reckt ihren Daumen in die Höhe und zieht ihren Mann beiseite, damit wir - ohne anzuhalten - passieren können. Wir bedanken uns mit enthusiastischem Winken.

 

Danach wird die Straße wieder etwas breiter. Da wir nur die Koordinaten ins Navi eingegeben haben, wissen wir nicht wirklich, wohin wir geführt werden (innerorts, außerorts). Plötzlich sehen wir auf

der breiten Straße, die wir befahren, das Hinweisschild für WoMos, das in eine enge Gasse zeigt. Meiner

Ansicht nach ist die Gasse zu schmal für unseren Steyr, aber Gerhard hat schon den Blinker betätigt und die Räder eingeschlagen. OK, ich gebe es zu, auf jeder Seite waren noch etwa 15 cm Platz …

 

Nach etwa 80 m sehen wir rechts große WoMos, dicht an dicht. Ich will gleich weiterfahren; in dieser Enge kann ich mich nicht wohlfühlen. Aber Gerhard meint, dass es für eine Nacht gehe, zumal wir die Möglichkeit haben, ins Internet zu kommen. Das ist ein schlagendes Argument, dem ich mich nicht verschließen will. Wir suchen nämlich schon seit einiger Zeit nach einen Platz mit WiFi. Wir haben Glück,

es gibt noch drei freie Plätze und einer davon gehört jetzt uns! Wir haben zwar keinen Strom am Platz, aber das ist auch nicht notwendig. Unsere Batterien sind gut gefüllt.

 

Weil wir nicht auf dem „eigentlichen“ Stellplatz stehen, sondern auf einem „Ausweichplatz“, sind wir auch weitestgehend ungestört. Neben uns sind noch zwei freie Plätze und danach steht ein Pärchen aus

Bremen mit einem Sven Hedin-Ausbau. Mittlerweile ist es 20:30 Uhr und die beiden Plätze sind noch frei. Heute wird wahrscheinlich keiner mehr kommen und Morgen fahren wir wieder weg ...

Die Nacht ist sehr angenehm verlaufen, obwohl gefühlt rund 100 WoMos um uns parkten. Gerhard hat frische Brötchen vom Bäcker um die Ecke mitgebracht, die richtig gut schmecken. Es gibt helle und dunkle Brötchen, die bisher besten seit unserer Abfahrt in Deutschland. Der Himmel ist blau und hat nur ein paar Wolken. Gerhard ist sich nicht sicher, ob er die Ausfahrt gleich beim ersten Mal aus dem engen Tor schafft. Mit nur einem Mal Zurücksetzen rumpelt der Steyr über die im Boden eingelassene Schiene für das elektrische Tor.

 

Wir sind auf dem Weg nach TAVIRA. Plantagen mit Zitrusfrüchten erstrecken sich über weite Flächen.Wir kommen gut voran, weil wir heute auch Autobahnen als „zugelassen“ ins Navi aufgenommen haben. Bald erweitern wir unser Ziel auf die ISLA CRISTINA. Dort finden wir einen schönen Übernachtungsplatz an einem öffentlichen Strand. Am Nachmittag als wir ankommen, sind noch einige Besucher da, aber nachts haben wir den Platz für uns allein. Bei der obligatorischen Sendersuchwahl mit dem Fernseher am Abend, um die Wetteraussichten für den nächsten Tag zu checken, lässt sich erkennen, dass wir uns dieses Mal in gut erschlossenem, touristischen Gebiet befinden. Uns werden sage und schreibe 39 Sender zur Auswahl angeboten. OK, einige Sender werden durch die HD-Version doppelt angezeigt, aber es ist schon eine ganze Menge, aus der wir unsere Wahl treffen können. Im Rahmen der Nachrichtensendung stellen wir fest, dass Isla Cristina anscheinend am Vortag von einem Starkregen überrascht wurde und etliche Häuser/Keller vollgelaufen sind. Das ist uns bei der Herfahrt nicht wirklich aufgefallen. Rund um das Städtchen wird Salzgewinnung betrieben und daher stehen etliche Flächen von Natur aus unter Wasser. Als wir ankamen regnete es leicht, der Sand am Strand war nass, aber wir vermuteten keine Katastrophe dahinter. Die Straßen, über die wir in Isla Cristina fuhren, zeigten keine Schäden des Unwetters.

 

In der Nacht regnet es leicht bis etwa drei Uhr. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist der Regen bereits im Sand versickert. Ashley sieht von weitem ein paar Hundekumpels am Strand. Ein Mann mit einem Metalldetektor sucht nach Münzen und sonstigen wertvollen, metallischen Gegenständen, die eventuell in der vergangenen Nacht an Land gespült wurden. Nach dem Frühstück führt uns der erste Teil der Route Richtung HUELVA. Auf der Fahrt sehen wir viele mit Plastikplanen abgedeckte Gewächshäuser. Außerdem entdecken wir riesige Zitrusplantagen, auf denen die Ernte in vollem Gang ist. Die Fahrt rund um Huelva ist ein bisschen kniffelig, weil wir mehrmals die Autobahnen/Landstraßen wechseln müssen, um in Richtung unseres neuen Ziels, MAZAGON, zu kommen.

 

Vorbei geht es jetzt an Baukränen, Lagerhallen, Silos und kugelförmigen Gastanks. Wir befinden uns inmitten eines riesigen Industriegebiets. Wir fahren an Raffinerien mit zylinderförmigen Tanks vorbei, die extrem die Luft verpesten. Direkt anschließend folgt ein kilometerlanges Naturschutzgebiet, der Parque Nacionalidad de Donana, mit Sümpfen, kleinen Seen und urwaldähnlichem Baumbestand, der nach einiger Zeit in einen Pinienwald übergeht. Hin und wieder ist von fern ein Feuermeldeturm zwischen den Bäumen und Sträuchern zu erspähen. Ein ACHTUNG-Schild mit dem Hinweis „Paso de linces“ macht uns neugierig. Der spanische Sprachführer hilft weiter; hier scheint es tatsächlich Luchse zu geben. Wenn sich in diesem Park Luchse aufhalten, ist die Natur noch intakt. Der Geruch der Chemikalien aus dem Industriegebiet scheint ihnen nichts auszumachen.

 

Wir machen einen kleinen Abstecher nach TORRE DE LA HIGUERA, einem reinen Feriendorf mit direktem Strandzugang. Die Häuser sind alle neu und die Straßen sehr gepflegt. Fast wirkt es zu steril und sauber. Richtung ALMONTE kommen wir an einem Gebiet vorbei, das von einem Waldbrand heimgesucht wurde. Schwarze Baumstümpfe ragen in die Luft; der Boden ist schwarz von Ruß. Nach dem Park reihen sich wieder riesige Gewächshäuser aneinander. Es folgen Korkeichenwälder rechts und links der Autobahn A-49. Kurz vor der Abfahrt CARRIÓN ist die Olivenernte in vollem Gang. Wir fahren nicht ganz nach Sevilla, sondern wechseln vorher auf die SE-40, eine 6-spurige Autobahn, die so gut wie nicht befahren ist. Stellenweise sind vor und hinter uns keine Autos zu sehen. Bei der Fahrt auf der N-IV kommen wir an vielen Baumwollfeldern vorbei, die bereits abgeerntet sind. Der Wind bläst hier sehr stark und an Straßenböschungen und -winkeln, in denen er sich fängt, ist der Boden weiß übersät mit kleinen Baumwollknäuelchen.

 

Die A-471 bringt uns unserem Übernachtungsziel, CHIPIONA, immer näher. Unterwegs treffen wir auf viele LKWs, die alle mit Baumwolle beladen sind. Es wird schon langsam dunkel, als der Leuchttum von Chipiona in Sicht kommt. Gerhard fährt mitten durch die Altstadt direkt darauf zu. Unmittelbar davor, auf einer Freifläche, will er für die Nacht stehen bleiben. Zwei Spanier in einem Lieferwagen, die auch hier stehen und anscheinend eine kleine Siesta machen, raten uns aber davon ab, an dieser Stelle zu übernachten. Die „Policía“ würde das sicherlich nicht so gerne sehen. Also machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Platz in der Nähe. Der Hafen sagt Gerhard nicht zu, deshalb fahren wir in Richtung der Vororte. Und wieder finden wir in der Nähe eines öffentlichen Picknikplatzes, der aber geschlossen ist, ein idyllisches Plätzchen im Wald. Außer den vier Hunden, die neben uns eine Art Reitgehege bewachen, ist es absolut ruhig. Nachts werde ich immer mal wieder vom Hundegebell wach. Vor welchem menschlichen Eindringling die vier ihr Terrain verteidigen oder ob einfach nur ein Wildtier durch ihr Gebiet gelaufen ist, lässt sich nicht erkennen.

 

Die Abfahrt zum Fährhafen nach ALGECIRAS am nächsten Morgen beginnt unter grauem Himmel mit vereinzelten, blauen Stellen. Wir fahren fast ausschließlich Autobahnen, vorbei an landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Olivenhainen, Baumwollfeldern und streckenweise Weinanbau. Nach kurzer Zeit regnet es durchgängig leicht; einmal kommen wir für ca. zwanzig Minuten in einen Starkregen. Der Empfang im Ticketbüro von Juan Carlos ist wie immer sehr freundlich. Nach der Buchung der Fähre nach Marokko erhalten wir ein kleines Präsent in Form einer Flasche Sidra Asturiana und einer Rolle Keksgebäck. Wir stellen uns auf den Übernachtungsplatz, den seine Klienten kostenlos nutzen können, um auf die Fähre zu warten. Lidl, Carrefour und McDonalds sind fußläufig zu erreichen.

 

Wir möchten noch einmal Geld abheben, um unseren Bargeldvorrat aufzufüllen. Im Carrefour gibt es zwei Automaten. Ich gehe an den Geldautomat der Unicaja. Nachdem ich meine EC-Karte eingesteckt habe, bietet er mir die Sprachauswahl an. Ab da kann ich meine Auszahlung in deutsch abwickeln. Es läuft alles normal ab. Ich erhalte meine EC-Karte zurück. Allerdings bekomme ich kein Geld, sondern nur den Hinweis: Die Geldausgabe ist aus technischen Gründen nicht möglich! Die angeforderte Quittung bekomme ich auch nicht (na ja, es gab ja auch kein Geld!) und der Geldautomat schaltet auf den Eingangsbildschirm zurück. Keiner der Angestellten von Carrefour kann mir weiterhelfen. Verständlich - schließlich steht der Automat ja auch nur in dem Gebäude und ansonsten hat Carrefour nichts damit zu tun. Ich versuche, meine Bank anzurufen, um die Angelegenheit zu schildern und um Überwachung meines Kontos zu bitten – keine Verbindung. Gerhards Handy hat ebenfalls keine Verbindung, Internet also auch nicht möglich.

 

Gerhard fällt ein, dass McDonalds seinen Kunden überall kostenloses WiFi anbietet – also geht es auf zu McDonald. Gerhard holt sich etwas zu essen, und ich versuche ins Internet zu kommen. Es ist zwar langsam, aber es geht. Ich setze eine Mail an meine Hausbank ab. Jetzt bricht auch hier das Netz zusammen. Lt. „Versendet“-Ordner ist die Mail jedoch rausgegangen. Gott sein Dank! Ich bin etwas beruhigt. Gerhard besorgt noch einen Hamburger für mich und dann gehen wir bei strömendem Regen zurück zu Ashley und zum Steyr. Später kaufen wir bei Lidl noch Brot und Käse zum Einfrieren. Da es weiterhin regnet, haben wir auch keine Lust zum Spazierengehen. Wir haben keine Gelegenheit, die nassen Sachen über Nacht zu trocknen. Das funktioniert nur gut tagsüber, wenn wir während des Fahrens den Wärmetauscher anhaben.

 

Am nächsten Morgen ist es noch dunkel, als wir um 6 Uhr aufstehen. Mittlerweile haben wir den Ablauf morgens optimiert, so dass wir mit Hundespaziergang, Frühstück und „klar Schiff machen“ nur noch eine gute Stunde benötigen. Wie geplant sind wir um 7.30 Uhr in Richtung Hafen unterwegs. Die Fähre geht um 10 Uhr, und wir sollen ca. zwei Stunden vorher da sein. Der Weg ist sehr gut ausgeschildert, so dass wir bereits um 7.50 Uhr als erstes Auto vor dem Schalter unserer Fährlinie stehen. Der Schalter ist noch unbesetzt und die Schranke unten. Wir üben uns daher in Geduld …

 

Gegen 8 Uhr wird es langsam hell und um 8:30 Uhr ist der „Sonnenaufgang“ abgeschlossen. Es ist immer wieder verblüffend, wie schnell das hier im Süden geht. Heute früh sind nur 13 ° C. Insgesamt gibt es sechs Schalter der unterschiedlichen Fährlinien. Der FRS-Schalter ist schon längere Zeit geöffnet und die Autos können, nachdem sie ihre Tickets vorgewiesen haben, passieren. Am nächsten Schalter werden sie noch einmal kontrolliert, ehe sie endgültig in die Hafenzone zum „Boarding“ einfahren können. Um 8:55 Uhr schließt der FRS-Schalter. Ein Nachzügler, der um 9 Uhr hupend vorgefahren kommt, darf – auch nach intensiver Diskussion mit der Dame am Schalter – nicht mehr passieren. Er läuft weiter zum „Boarding“-Schalter, aber der Mann dort lässt sich ebenfalls nicht überzeugen. Keine Chance – zum aktuellen Schiff wird er nicht zugelassen. Entnervt setzt er sich wieder in sein Auto und nach einer heftigen Auseinandersetzung mit seiner Beifahrerin fährt er wieder davon. Kurz darauf verlässt die Fähre, die die FRS-Passagiere an Bord genommen hat, den Hafen.

 

Es ist 9:15 Uhr. Außer uns sind mittlerweile fünf weitere WoMos angekommen, die auch mit der Balnearia-Fährlinie fahren wollen. Eine nette Dame kommt auf uns zu und erklärt uns, dass vor 11 Uhr gar nichts geht. Ashley darf jetzt auch aussteigen, denn es dauert ja noch eine ganze Weile  bis es losgeht. Ich koche inzwischen die Thermoskanne Kaffee, die ich normalerweise während des Frühstücks nebenbei für Gerhard zubereite. Weil wir uns heute mit dem Frühstücken beeilt haben, um rechtzeitig auf der Fähre zu sein, fiel das Kaffeekochen aus. Was aufgrund der aktuellen Situation nicht notwendig gewesen wäre, da sich die Abfahrtszeit um Etliches verzögert. Gegen 11:30 Uhr ist es endlich soweit. Wir können die erste und zweite Schranke passieren und warten auf das Verschiffen. Nachdem der letzte LKW von unserer Fähre gerollt ist, dürfen zunächst die PKWs an Bord. Anschließend folgen wir und zwei weitere, kleinere WoMos. Es ist mittlerweile 13 Uhr. Wir werden in den unteren Teil des Schiffes verladen. Die LKWs kommen anschließend in das Deck über uns.

 

An Bord angekommen, verlassen wir den Steyr. Ashley muss im Auto bleiben, weil für die Einreise noch die Papiere kontrolliert und gestempelt werden müssen. Das führt normalerweise zu langen Warteschlangen und die wollen wir Ashley (und auch den Marokkanern, die größtenteils panische Angst vor Hunden haben) nicht zumuten. Mir ist es von dem langen Stehen im Hafen kalt. Ich möchte gerne einen Kakao trinken, um mich aufzuwärmen. Leider ist er nur gut lauwarm, eignet sich also zum Aufwärmen überhaupt nicht. Zum Glück dauert die Fahrt nicht lange und nach ca. 1 ½ Stunden dürfen wir wieder ins WoMo. Allerdings scheinen die Fährmitarbeiter das Unterdeck vergessen zu haben. Als wir hören, dass über uns erneut Verladen wird, gibt Gerhard mit der LKW-Hupe ein Signal. Die anderen Autos fallen ein und es gibt ein regelrechtes Hupkonzert. Kurze Zeit später öffnet sich die Luke und der zuletzt eingefahrene LKW fährt rückwärts wieder raus, um uns den Weg freizumachen, damit wir in Tanger Med von Bord können.

 

Nachdem diese Hürde genommen ist, liegt noch der Zoll vor uns. Alles in allem benötigen wir dort etwa eine Stunde, um weiterfahren zu können. Es regnet in Strömen und die marokkanischen Autos vor uns werden intensiv untersucht. Drei davon müssen ihren kompletten Kofferraum leerräumen. Für uns ist nicht nachvollziehbar, warum es bei uns so lange dauert, bis wir weiterfahren können. Ausräumen müssen wir nichts, aber die Autopapiere gehen über drei Personen und zwei verschiedene Stationen. Nachdem alle Stempel auf diversen Dokumenten verteilt wurden, dürfen wir endlich passieren. Gerhard sucht eine Tankstelle, denn unser Kraftstoffvorrat hat sich drastisch minimiert. Die Tankstelle, die wir als erstes anfahren, bietet leider keine Kartenzahlung an. Dirham haben wir noch nicht, also bezahlen wir mit Euro. Der Tankwart berechnet einen Kurs von 1:10, aber da wir nur für 50 € tanken, ist das kein großes Problem. In SMIR finden wir einen Bankautomaten, und ich steige aus, um Geld abzuheben. Dabei werden Gerhard im Auto und auch ich auf der Straße von zwei Männern angebettelt. Das sind die negativen Erfahrungen, die man  in Marokko macht.

 

Wir suchen einen Campingplatz für die Nacht. In M‘DIQ finden wir einen wunderschön angelegten Stellplatz direkt an der Strandpromenade mit Zugang zum Meer. Er kostet 20 Dirham (rd. 2 €) für die Nacht. Das Geld wird von einem städtischen Mitarbeiter direkt am WoMo abgeholt. Der Platz ist sehr ruhig. Wir stehen ganz allein und auch der Ruf zum Gebet aus der nahen Moschee ist sehr moderat und nervt nicht. Was insbesondere mich aber stört, sind die Schnaken, die es hier gibt. Bis zum Schlafengehen habe ich im WoMo 15 Stück gekillt; am nächsten Morgen weitere drei, die das Killerkommando vom Vorabend überlebt hatten. M‘diq werde ich daher mit „Mücke“ gleich setzen und mich immer daran erinnern, dass hier eine „Schnakenhochburg“ ist. Schade eigentlich, denn es ist ein hübsches Städtchen, das augenscheinlich einiges an Geld in den Touristenaufbau investiert hat.

 

Am nächsten Morgen fahren wir über die M13 nach TETOUAN. Vom Auto aus sehe ich eine Marjane (einen riesigen Supermarkt europäischer Prägung). Wir halten an, denn das Brot ist uns wieder ausgegangen. An der Gemüsetheke sehen wir einen kleinen Vogel, der sich an der Auslage mit frischem Salat bedient; insgesamt gibt es jedoch sieben Vögel, die anscheinend im Supermarkt „wohnen“. Wir kaufen außer einem Fladenbrot noch eingelegte Oliven (zwei verschiedene Sorten, insgesamt rd. 300 g) und drei Knollen Knoblauch, um uns weitere Schnaken vom Leib zu halten, die diesen Geruch nicht mögen. Dafür zahlen wir umgerechnet etwa 1,70 €. Weiter geht es auf der N2 Richtung AL HOCÉIMA.

 

Wir fahren durch bergiges Gelände. Aufgrund der Regenfälle in der letzten Zeit hat sich überall Wasser angesammelt. Die Stauseen sind randvoll. Wir entdecken eine Tankstelle, bei der wir mit VISA Card bezahlen können. Gerhard macht sämtliche Diesel-Tanks voll. Den Tank für die Wasserspülung der Toilette füllen wir mit der Gießkanne auf, weil wir keinen passenden Schlauchanschluss für den dortigen Wasserhahn haben. Weiter geht es über die teilweise bis zu vier Spuren ausgebaute N2. Leider finden wir keinen Campingplatz, um Frischwasser zu bunkern. An einer Tankstelle versuchen wir noch einmal unser Glück. Auch hier gibt es keinen passenden Anschluss. Aber fünf Männer, die eine Lösung für dieses Problem haben! Nachdem Gerhard kurz geschildert hat, um was es geht, fangen sie direkt an zu tüfteln. Und siehe da, es funktioniert! Der Wassertank füllt sich und alle sind glücklich. Lediglich der Preis ist etwas hoch. Wir zahlen 100 Dh (rd. 10 €) für 300 Liter Wasser. Wahrscheinlich wäre es billiger oder umsonst gewesen, wenn wir dort auch getankt hätten, aber die Dieseltanks waren nun einmal voll …

 

Die Polizei kontrolliert wie gestern inländische Fahrzeuge; wir werden nicht behelligt. Die Dörfer, durch die wir fahren, wirken, als ob sie an die Felswände angeklebt wären. Die Kinder winken uns vom Straßenrand aus zu. Olivenbäume mit Früchten befinden sich rechts und links der Fahrbahn. Nicht so gleichmäßig ausgerichtet wie in den Anbaugebieten in Spanien, eher urwüchsig über das Gelände verteilt. In 944 m Höhe finden wir bei den Koordinaten N 35,06949° W 5,05452° hinter einem Restaurant einen Stellplatz für die Nacht. Die Betreiber sind ausgesprochen freundlich. Die Dame des Hauses spricht englisch. Auch Ashley ist willkommen. Fünf weitere Hunde leben ebenfalls hier. Wir bestellen eine Tajine für zwei Personen, die uns direkt ins WoMo geliefert werden soll. Im Laufe des Abends geben wir diese Bestellung an weitere zwei Personen weiter. Irgendwie scheint es mit der Kommunikation doch nicht ganz so zu klappen, wie ursprünglich angenommen. Gegen 21:15 h kommt endlich das Essen. Die Tajine ist ausreichend bemessen und besteht aus Fleisch, getrockneten Pflaumen, Zwiebeln und einer leckeren Soße. Dazu gibt es Fladenbrot und eingelegte Oliven. Als Nachtisch ist ein großes Trinkglas, voll mit Granatapfelkernen, dabei.

 

Der junge Mann, der uns das Essen gebracht hat, setzt sich, als er die leeren Schüsseln abholen kommt, noch mal kurz zu uns. Er studiert in Lyon und zeigt uns auf dem Handy Fotos seiner ganzen Familie. Am nächsten Morgen, kurz vor der Abfahrt, weist er Gerhard auf den tollen Panoramablick hin, den man von der Terasse des Restaurants genießen kann. Dieser Ausblick war gestern nicht möglich, da wir bei tief ziehenden Wolken angekommen sind und der Blick ins Tal dadurch verwehrt war. Der heutige Tag, Samstag, 24.11., wird ausschließlich dem Vorwärtskommen gewidmet. Anvisiert haben wir AL-HOCEIMA, in dessen Nähe wir uns einen Schlafplatz suchen wollen. Die Fahrt innerhalb des Rif-Gebirges schlängelt sich über Serpentinen abwechselnd rauf und runter. Die Straßen sind größtenteils in Ordnung. An manchen Stellen gibt es jedoch Ansammlungen von Schlaglöchern, die an Breite und Tiefe alle Varianten bieten. Hier gilt es, die Fahrspur zu finden, die durch die wenigsten und niedrigsten Löcher führt. Wenn Gegenverkehr kommt, ist das nicht immer möglich, und wir Holpern und Poltern über diese Abschnitte hinweg. Ashley fühlt sich bei diesem Gerüttel auch nicht wohl und schaut uns mit fragenden Augen an, die bestimmt Antwort auf die Frage „Wann ist das denn endlich vorbei?“ erwarten.

 

Etwas hinter Al-Hoceima, auf der Strecke nach NADOR, sehen wir auf der Landkarte den Leuchtturm CAP-RAS-TARF eingezeichnet. Wir haben schon mehrfach gute Erfahrungen mit Übernachtungsplätzen bei Leuchttürmen gesammelt, also machen wir uns auf den Weg. Er ist wunderschön gelegen, ganz einsam, am Ende einer Erdstraße, die rund 500 Meter in Richtung Mittelmeer führt. Die Straße ist für unseren Steyr kein Problem und auch ein gerade Stelle zum Parken ist schnell gefunden. Ich kümmere mich ums Kochen und Gerhard erkundet mit Ashley die Umgebung. Als die beiden zurückkommen, hat Gerhard bereits mit der Coast-Guard, die für die Radarstation an den Klippen zuständig sind, gesprochen und die Aussage erhalten, dass es kein Problem sei, für die Nacht hier am Leuchtturm zu stehen, der mittlerweile in privater Hand ist.

 

Fernsehen und damit insbesondere der Wetterbericht funktioniert leider nicht. Erst kommen sieben Sender rein, die aber so pixelig sind, dass wir einen erneuten Sendersuchlauf starten. Danach haben wir gar keinen Empfang mehr. Kurz darauf klopft es an der Tür. Ein junger Mann von der „Police royale“ möchte unsere Ausweise und die Fahrzeugpapiere sehen. Gerhard hat vorsichtshalber schon zuhause Fiches mit unseren Personalien und den Fahrzeugdaten vorbereitet, die er übergeben kann. Nach dem Fotografieren der Daten mit dem Handy entfernt sich der Polizist mit seinem Schlafsack und Zelt in Richtung Klippen. Er wird heute Nacht für unsere Sicherheit sorgen. Als wir am nächsten Morgen gegen 8 Uhr aufstehen, ist sein Zelt noch da. Bei unserer Abfahrt um zehn Uhr ist jedoch nichts mehr von ihm zu sehen.

 

Heute gibt es zum ersten Mal wieder Kaffee mit dem French-Coffeemaker, da uns die Pads langsam ausgehen. Der erste Aufguss ist etwas dünn, wir müssen uns erst wieder an die Zubereitung gewöhnen. Der zweite ist schon besser und ab Morgen klappt es bestimmt wieder hervorragend. Wir fahren immer noch Richtung NADOR. Die Straßen sind heute nicht mehr so kurvig wie gestern und auch die Höhenunterschiede halten sich auf der Küstenstraße in Grenzen. Auf der linken Straßenseite, Richtung Meer, gibt es vereinzelt Bauernhöfe, die Landwirtschaft betreiben. Etliche Bauern sind mit Pflug und ein bis zwei Eseln zu Gange, um ihren Boden zu bearbeiten. Ein Esel erschreckt sich vor dem Steyr und macht einen Satz zur Seite. Zum Glück passiert nichts.

 

Rechts von der Straße ist es eher etwas hügelig und das dort wachsende Gras wird bestimmt als Viehfutter für die vielen Schaf- und Ziegenherden genutzt, die wir öfter zu sehen bekommen. Die Polizei ist wieder tätig, aber bei den Sperren werden wir nicht angehalten, sondern durchgewunken. Bei den PKWs haben die Marokkaner anscheinend eine Vorliebe für Mercedes. Meist sind es Mercedes-Limousinen, die uns entgegenkommen. Besonders beliebt scheint dabei die Farbe grün zu sein.

 

An einer Tankstelle bunkern wir Wasser für die Toilette. Gerhard möchte auch eine marokkanische Telefonkarte kaufen, die nebenan in einem Café angeboten wird. Leider lässt sich de Karte von der "Marocq Telekom" nicht initialisieren, obwohl insgesamt zehn Männer ihr Bestes geben. Zu guter Letzt meint einer, dass sich diese Gegend eher für die Telefonkarten von "Orange" eignet und die Karten von Telekom über das Netz nicht gut abgedeckt sind. Anscheinend hatte er recht, denn rund zwanzig Kilometer weiter finden wir einen Laden, bei dem die Initialisierung mit der Marocq Telekom klappt.

 

Wir wollen weiter Richtung BERKANE, verfahren uns aber kurz vor Nador. Über eine „weiße“ Straße (also eher ein Weg!) fahren wir nach ZAIIO und treffen dort wieder auf die von uns gewollte Route. Kurz nach Zaiio fahren wir rechts ein gutes Stück über einen Feldweg in Richtung Äcker, um unser Nachtquartier aufzuschlagen. Heute kommt der OMNIA-Backofen zum zweiten Mal zum Einsatz. Der erste Versuch war eher mäßig, aber so schnell gebe ich nicht auf! Der heutige Versuch eignet sich zwar auch noch nicht für den Einsatz bei einer Kochsendung im Fernsehen, aber das Ergebnis zeigt schon eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Rezeptbild. Was mir nicht klar ist, ist die Tatsache, dass der verwendete Fertig-Blätterteig bei beiden Versuchen von der Konsistenz mehr gekochten Lasagne-Platten ähnelt und mit "Kuchen" oder „Gebäck“ eher weniger zu tun hat ...

 

Der Reisebericht wird immer fortgesetzt, wenn wir Zugang zum Internet haben. Da es sehr lange dauert, bis Fotos hochgeladen sind, folgen diese erst später, wahrscheinlich erst nach unserer Rückkehr.